Elisa Lam – Ihr Verschwinden im Cecil Hotel

Eine junge Asiatin verschwindet in Downtown L.A. Ihre Eltern wissen, dass sie zuletzt im Cecil Hotel eingecheckt hatte. Was sie nicht wissen: Das Hotel ist dafür bekannt, dunkle Gestalten zu beherbergen.
Das Verschwinden von Elisa Lam hat viele Menschen zum Nachdenken angeregt und berührt. Doch wie ist die junge Frau überhaupt nach L.A gekommen?

Das Cecil Hotel – halb Hotel, halb Wohnort für Obdachlose

2007 versuchte das Hotel einen Neustart. Man wollte die Obdachlosen, die von der Stadt einquartiert wurden, loswerden und das Hotel in neuem Glanz erstrahlen lassen. Doch die Geschäftsführerin des Hotels hatte kein Glück. Sie bekam zwar die Befugnis, die Hälfte der Zimmer an Touristen zu vermieten, allerdings wurde der Wohnraum für Obdachlose erhalten. Einfache Touristen leben also Tür an Tür mit Drogenabhängigen, ehemaligen Straftätern und dauerhaften Obdachlosen.

Doch nicht nur das, das Hotel ist sowieso für merkwürdige Vorkommnisse bekannt. Es gab Schießerein und Drogendeals. Es beherbergte Serienmörder und gruselige Gestalten, die sich der dunklen Seite zuwandten. Hinzu kommt, dass eine Reihe von Selbstmorden darin begangen wurden – meist von Frauen.

Wenn man das Hotel von außen sieht, wirkt es wenig einladend. Es ist heruntergekommen. Das Plakat an der Seite des Hotels, das mit günstigen Zimmern wirbt, wirkt schmuddelig. Man sieht auf einen Blick, dass die Fassade einen neuen Anstrich bräuchte. Abgesehen davon liegt es in Downtown L.A, eine der gefährlichsten Gegenden in Los Angeles. Du brauchst zwar nur 14 Minuten in die Stadt, musst dich vorher aber durch gefährliche Straßen bewegen.

Warum sollte eine junge Frau, wie Elisa Lam, dort absteigen?

Die junge Asiatin – Elisa Lam

Elisa Lam verschwindet im Cecil Hotel.

Die junge Frau hatte, wie sich später heraustellte, eine bipolare Störung. Sie hat die Welt über einen offiziellen Internet-Account an ihrem Leiden teilhaben lassen. Sie knüpfte dadurch viele Kontakte und viele Menschen fühlten sich ihr verbunden.
Es war Elisas erste Reise alleine. Sie kam aus Kanada und wollte Amerika erkunden. Sie dürfte über eine normale Buchungsplattform auf das Hotel gestoßen sein. Wie auch andere Gäste schon berichteten, wird auf den Buchungsplattformen natürlich nichts über die dunkle Geschichte des Hotels berichtet. Elisa dürfte es als preiswert eingestuft und ein Zimmer gebucht haben.

Die junge Frau erkundete alleine Amerika. Sie meldete sich täglich bei ihren Eltern, um ihnen zu versichern, dass es ihr gut ging. Doch stimmte das?
Eine Zimmernachbarin erzählte, dass Elisa sich komisch verhielt und seltsame Dinge von sich gab, deshalb wurde sie auch einmal gebeten das Zimmer zu wechseln. Sie dürfte ihre Emotionen nicht unter Kontrolle gehabt haben.

Eine zerbrechliche Frau alleine in Downtown Los Angeles. Nur noch ein Tag, dann würde sie nach Hause zu ihrer Familie fliegen.

Am letzten Tag besuchte sie noch einen Buchladen und berichtete einer Verkäuferin, dass sie gar nicht genug Platz für all die Bücher habe, die sie gekauft hatte. Über Kameras konnte man verfolgen, dass ein Mann ihr anbot, ihre Bücher nach Hause zu tragen. Dieses Angebot nahm sie an. Das Hotel betrat sie allerdings alleine.
Am selben Abend verließ sie ohne Habseligkeiten ihr Zimmer und war das letzte Mal auf einer Videokamera zu sehen.

Was war so merkwürdig am Fall Elisa Lam?

Viele verschiedene Fährten

Die Eltern von Elisa wussten sofort, dass etwas Schlimmes passiert sein musste, als sie am Abend ihres Verschwindens nichts von ihrer Tochter hörten. Sie war eine sehr zuverlässige junge Frau. Die traurigen Augen der Eltern werden in Erinnerung bleiben. Stumm stehen sie bei einer Pressekonferenz hinter Polizisten und zeigen ihre Verzweiflung offen.

Ein mysteriöses Video taucht auf.

Ziemlich rasch wurde die Suche nach Elisa eingeleitet. Das LAPD versuchte nachtürlich, Elisas letzte Schritte zu rekonstruieren. Dabei stießen sie auf ein Fahrstuhlvideo, das die junge Frau zeigte. Zuerst dachten sie sich nicht viel dabei, war doch nur darauf zu sehen, wie sie in den Fahrstuhl stieg und wartete. Sie drückt immer wieder verschiedene Knöpfe, doch der Fahrstuhl bewegt sich nicht.
Was dann seltsames passiert, lässt auch die Polizisten innehalten. Elisa blickt, als wäre sie auf der Flucht, nach links und rechts aus dem Fahrstuhl und versteckt sich danach in einer Ecke – als würde sie nicht gesehen werden wollen. Sie drückt noch einmal auf die Knöpfe, doch der Fahrstuhl bewegt sich wieder nicht.
Weitere Zeit vergeht. Irgendwann verlässt sie den Fahrstuhl und gestikuliert wild mit ihren Händen, als würde sie aufgebracht mit jemanden sprechen. Das Video wurde vom LAPD veröffentlicht und kann noch heute auf Youtube angesehen werden.

Dieses Video hat für sehr viele Ideen gesorgt. Manche schienen einen zweiten Schatten zu erkennen, andere wollen in ihren Bewegungen eine Geisterbeschwörung sehen, wiederum welche haben festgestellt, dass das Video beschnitten wurde. Die Polizei meinte daraufhin nur, dass unwichtige Passagen rausgeschnitten wurden. Andere Kameras, auf denen man vielleicht mehr erkennen würde, wurden nicht gefunden. Am Ende sieht man, wie Elisa den Fahrstuhl verlässt und kurze Zeit später tut der Fahrstuhl das, was er davor hätte tun sollen, er schließt sich.

Eines ist sicher, Elisa ist an diesem Abend verschwunden, um einige Wochen später im Hotel wiedergefunden zu werden.

Der Wassertank

Ein Pärchen bemerkte einige Wochen später, dass nur braunes Wasser aus den Leitungen kam. Zuerst dachten sie sich nicht viel dabei, doch als sich das Wasser nicht wieder veränderte, meldeten sie das Vorkommnis bei der Rezeption. Anscheinend hatte es zu dieser Zeit schon mehrere Meldungen dieser Art gegeben. Das Hotel beauftragte einen Handwerker, sich die Sache genauer anzusehen.
Er betrat das Dach auf dem sich der Wassertank befand, kletterte die schmale Leiter hinauf und entdeckte einen leblosen Frauenkörper im Wasser schwimmend. Seinen Fund meldete er augenblicklich der Geschäfstführerin. Die Geschichte nahm ihren Lauf.

Man untersuchte Elisa und kam zu dem Schluss, dass sie bereits ab dem Zeitpunkt ihres Verschwindens im Tank liegen musste. Man stellte Untersuchungen an, befragte Leute und stellte fest, dass sie wohl einen psychotischen Schub gehabt haben und in den Tank geklettert sein müsse. Weil sie es nicht mehr herausschaffte, ertrank sie.

Unheimliche Parallelen zu „Dark Water“.

Es fallen viele berechtigte Fragen bei dieser Schlussfolgerung an

1. Wie schaffte es Elisa auf das Dach?

Elisa musste entweder die Feuerleiter und danach noch eine schmale Leiter, zirka 2 Meter, nach oben geklettert sein – das alles in ihrem Zustand – oder sie nahm die Brandschutztür im letzten Stock, die anders als von der Geschäftsführerin behauptet, wohl doch nicht mit einem Alarm gesichert war. Eine Gruppe, die sich aufgrund von Elisas Verschwinden im Hotel einquartierte, um ihren Fall zu rekonstruieren, stellte fest, dass die Tür bei ihrem Besuch nicht gesichert wurde.

2. Wie soll diese kleine, zierliche Frau die Metalltür des Tanks alleine öffnen?

Die Verschlussklappe ist angeblich sehr schwer, abgesehen davon muss sie in ihrem Zustand auch noch die schmale Leiter nach oben geklettert und alleine hineingesprungen sein.

3. War sie wirklich alleine?

Eine Mutmaßung, die gerne verbreitet wird: Vielleicht wurde Elisa von jemanden zur Mutprobe gedrängt. Sie machte mit und wurde dann entweder zurückgelassen oder man konnte sie aus dem Tank nicht mehr befreien. Was ich mir persönlich auch schon dachte: Womöglich war sie ja zuerst gar nicht alleine in dem Tank?

4. Ist diese Erklärung nicht zu einfach?

Das LAPD meint, dass es in manchen Fällen wirklich so einfache Erklärungen gibt und sich bloß unser Verstand nach einer spannenderen Geschichte sehnt. Aber warum scheinen dann ein paar Faktoren einfach nicht ins Konzept zu passen?

Weitere mysteriöse Gegebenheiten

  • Zur Zeit von Elisas Verschwinden soll ein Tuberkulose-Stamm in dieser Gegend gewütet haben. Das ist per sé nicht aussagekräftig, allerdings hieß der Test, der potenzielle Opfer identifiezierte, LAM-Elisa. Dies hat für sehr viele Fragen aufgeworfen und die Online-Community spekulieren lassen.
  • Elisas Tod hat viele unheimliche Parallelen zu dem japanischen Horrorfilm Dark Water. Ich habe ihn selbst nicht gesehen, allerdings einiges darüber gelesen.
  • Eine Zeit lang wurde eine Death-Metal-Sänger, der ebenfalls wie Elisa im Hotel wohnte, verdächtigt. Er hatte Videos veröffentlicht, in denen er darüber singt jemanden zu töten und zu vergraben. Allerdings stellte sich heraus, dass er zur Zeit von Elisas Ermordung schong längst wieder abgereist war.

Es gab viele Spekulationen um Elisas Tod. Was passiert ist, werden wir wahrscheinlich nie wissen, selbst wenn mehr dahinter steckt als man preisgeben mag. Denn auch Elias Eltern wollen sich nicht zu ihrem Tod äußern.

Ich kann euch allerdings die Netflix Mini-Serie Verschwunden: Tatort Cecil Hotel , die von diesem Fall handelt, empfehlen. Sie ist wirklich gut aufbereitet, erzählt viel über das Milleu in Downtown L.A und über die Geschichte des Cecil Hotels. Auch die verschiendenen Theorien werden noch einmal sehr gut beleuchtet und Augenzeugen berichten über die damalige Situation im Cecil.

Wenn du wissen möchtest, was Lost Places und Dark Tourism mit diesem Fall zu tun haben, dann lies unbedingt diese Beiträge!

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