Warum ist der Mörder immer der Gärtner?

Die Blumen bogen sich im Wind, als die ersten Regentropfen gegen das Fenster der Gartenhütte peitschten. Mit hastigen Handgriffen wurde im Inneren der Hütte gearbeitet. Die Schere musste rasch von den Überresten befreit und der Boden geschrubbt werden. Immerhin brach der Morgen bereits an und die Herrschaften würden nicht mehr lange schlafen. Wenn sie den Tee auf der Terrasse tranken und nebenbei die Morgenzeitung lasen, dann musste alles sauber sein. Nicht ein einziger Beweis durfte überbleiben. Das wusste der Gärtner.

Hast du dich auch schon einmal gefragt, woher der gängige Spruch „Der Mörder ist immer der Gärtner“ kommt? Ich finde er rutscht so selbstverständlich über die Lippen, als würden die Buchstaben mit Butter über die Lippen gleiten.

Ich habe mich auf Recherche begeben, um endlich zu erfahren, woher diese Aussage stammt.

Denn wenn mein Mann mich fragt: „Wer ist der Mörder in deinem Krimi?“, kann ich doch nicht stets sagen: „Natürlich der Gärtner“, wenn ich gar nicht weiß, warum es eigentlich immer der Gärtner sein sollte…

Ist die Aussage „Der Mörder ist wieder der Gärtner“ denn absurd?

Zuerst sollten wir klären, ob die Aussage absurd ist. Warum sollte man denn schon den Gärtner als Mörder wählen?  Immerhin kümmert er sich um hilflose Pflanzen. Er hegt und pflegt das Leben und bewahrt die zarten Pflänzchen immerhin vor ihrem Tod. Nein, er sichert Überleben und sorgt nicht für Ableben. Außerdem liebt er es die Umgebung in Ordnung zu halten und so ein Mord würde ja doch für sehr viel Unordnung sorgen…

Aber: Macht nicht gerade das den Reiz aus, den Gärtner doch einen Mord begehen zu lassen?

Wer weiß, vielleicht muss er zum Mörder werden, damit seine geliebte Ordnung bestehen bleibt – und sind wir ehrlich, ein akribischer Gärtner würde ja auch mit einem Wimpernschlag einen Maulwurf töten, der es wagt, seinen wunderbaren Garten umzugraben.

In einer Gartenhütte gibt es auch bestimmt genug Mordwerkzeuge und an Leichen-Verstecken mangelt es unserem lynchenden Gärtner ganz bestimmt auch nicht.

Agatha Christie und der Gärtner

Natürlich habe ich fieberhaft in meinem Oberstübchen gesucht, wo ich denn zum ersten Mal die Aussage „Der Mörder ist immer der Gärtner“ gehört hatte. Eingefallen, ist es mir natürlich nicht, aber ich weiß, dass in Agatha Christies „16 Uhr 50 ab Paddington“ ebenfalls der Gärtner eine recht zwielichtige Figur darstellt. Irgendwie scheint er stets etwas zu verbergen und Miss Marple behält ihn auch sorgsam im Auge.

Agatha Christie bringen wir recht schnell mit dieser Aussage in Verbindung, wie ich bei meiner Recherche bemerkt habe. Die Mehrheit nimmt an, dieser Spruch müsse von Agatha Christie stammen.

Dieser Annahme würde ich auch relative blind zustimmen, wenn mich ein Forenbeitrag nicht an eine Szene in „16 Uhr 50 ab Paddington“ erinnert hätte. Miss Marple fragt Mr. Springer, wen er denn verdächtigen würde, und dieser antwortet im Originalton „Ich weiß es leider nicht“. Ins Deutsche wurde seine Aussage in: „Es war bestimmt der Gärtner“ übersetzt, aber die Aussage stammt wohl nicht von Agatha Christie, sonst wäre sie im Englischen ja ebenso vorgekommen.

Im englischsprachigen Raum wird vor allem meist der Butler verdächtigt – da ist unser geliebter Gärtner besser weggekommen.

Aber warum wird denn eigentlich immer das Personal verdächtigt?

Reinhard Mey´s Song – Der Mörder ist immer der Gärtner

Der Mörder war wieder der Gärtner
Und der plant schon den nächsten Coup
Der Mörder ist immer der Gärtner
Und der schlägt erbarmungslos
Der schlägt erbarmungslos
Der schlägt erbarmungslos zu

Ja! Unser Gärtner wird sogar in einem Song erwähnt. Und genau dieser Song von Reinhard Mey dürfte wohl dafür gesorgt haben, dass der Gärtner in unserem Sprachraum zum Mörder wurde. Immer und immer wieder…

Wie er denn auf diese Idee kam, dass immer der Gärtner zum Mörder wird? Das hat man ihn, als er 1972 den Song veröffentlichte, auch gefragt.

Die Antwort ist für uns alle wohl nicht so spektakulär wie erhofft: Er war wohl einfach leidenschaftlicher Krimileser und in diesen Krimis wurde meist das Personal verdächtigt und war in sehr vielen Fällen dann tatsächlich der Mörder.

Wenn man sich die Krimis und Groschenromane der 70er ansieht, dann kann man seine Erklärung sehr gut nachvollziehen.

Jetzt muss ich an Downtown Abbey denken. Die Serie spielt zwar Anfang des 20. Jahrhunderts – aber auch hier hat auch  das Personal unerfreuliche Geheimnisse und ist nicht abgeneigt den ein oder anderen in die Pfanne zu hauen.

Da können wir ja von Glück reden, dass wir heute unsere Wäsche selbst waschen und das Abendmahl alleine zubereiten. Geschweige denn den Garten pflügen…!

Obwohl dieser Spruch „Der Mörder ist immer der Gärtner“ ja gar nicht zutrifft. Das hat am Ende seines Liedes auch Reinhard Mey so empfunden und schließlich:

Der Mörder war nämlich der Butler
Und der schlug erbarmungslos zu
Der Mörder ist immer der Butler –
Man lernt eben täglich
Man lernt eben täglich
Man lernt eben täglich dazu

Den Butler zum Mörder gemacht…

Okay – gut, dass wir auch unseren Tee selber aufgießen!

Am Ende bekomme ich noch richtig Lust den Gärtner zum Mörder zu machen… das altbekannte Klischee einfach zu bedienen.

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Danke für´s Lesen und vergesst nicht: Legt lieber selbst Hand an im Garten!

Lisa

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